Dr. Helmut Isringhaus (FDP): Grenzüberschreitende Schlaganfallversorgung: Eurodistrict muss jetzt handeln
Die vorerst gescheiterte Vereinbarung zur grenzüberschreitenden Schlaganfallversorgung zwischen dem Saarland und der Region Grand Est ist aus Sicht von Dr. Helmut Isringhaus, Mitglied der Versammlung des Eurodistricts SaarMoselle, ein schwer nachvollziehbarer Rückschritt zulasten der Patienten.
„Gerade beim schweren Schlaganfall entscheidet jede Minute über Leben, spätere Selbstständigkeit oder Pflegebedürftigkeit. Deshalb ist es medizinisch absolut sinnvoll, möglichst schnell die Intervention, insbesondere die Thrombektomie, in einer hochspezialisierten Stroke Unit wie am Winterberg in Saarbrücken durchzuführen und die anschließende Weiterbehandlung wohnortnah, etwa in Forbach, sicherzustellen“, erklärt Isringhaus.
Dass dieses bewährte und medizinisch überzeugende Modell nun kurzfristig durch Änderungswünsche der französischen Seite in Frage gestellt wurde, stößt auch bei vielen Partnern unmittelbar jenseits der Grenze auf Unverständnis. „Die erfolgreichen MOSAR-Kooperationen zeigen, dass grenzüberschreitende Lösungen funktionieren – umso unverständlicher ist der jetzige Rückschritt.“
Besonders kritisch bewertet Isringhaus die Auswirkungen auf die Menschen in der Region: „Die Bürger des französischen Teils des Eurodistricts SaarMoselle sind von dieser Verzögerung unmittelbar betroffen. Für sie geht es im Ernstfall um lebensentscheidende Minuten. Deshalb darf dieses Projekt nicht zum Spielball politischer oder administrativer Differenzen werden.“
Isringhaus richtet daher klare Erwartungen an die Führung des Eurodistricts: „Jetzt ist das Präsidium des Eurodistricts besonders gefragt. Ich erwarte, dass das Thema umgehend aufgegriffen und transparent aufgearbeitet wird.“
Konkret fordert Isringhaus eine Befassung in der nächsten Sitzung: „Ich erwarte eine umfassende Berichterstattung in der nächsten Versammlung des Eurodistricts am 3. Juni 2026. Die offenen Fragen müssen klar benannt und Wege zur schnellen Umsetzung aufgezeigt werden.“
Zugleich stellt Isringhaus kritische Fragen zur politischen Begleitung des Projekts: „Warum ist ein bereits ausgehandeltes Abkommen so kurz vor dem Abschluss gescheitert? Und welche Rolle hat dabei das saarländische Gesundheitsministerium gespielt?“
Sein Vorschlag für den weiteren Weg ist klar: „Wir brauchen jetzt eine Rückkehr zur Sachebene. Direkte Gespräche zwischen den beteiligten Krankenhäusern und den behandelnden Ärzten sind der richtige Weg, um schnell eine tragfähige Lösung im Sinne der Patienten zu erreichen.“
Abschließend betont Isringhaus: „Grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung ist ein zentrales Versprechen des Eurodistricts. Dieses Versprechen muss gerade in sensiblen Bereichen wie der Notfallmedizin eingelöst werden.“